Der Tod ist groß.

Wir sind die Seinen

lachenden Munds.

Wenn wir uns

mitten im Leben

meinen,

wagt er zu weinen,

mitten in uns.

Rainer Maria Rilke

andere Welt durchsichtig macht. Und der Seele wieder einen Hauch der Ewigkeit in Erinnerung ruft. Auch deshalb stellt er uns vor eine existenzielle Herausforderung.

Der Tod lässt uns das Wesentliche im Leben erkennen. Im Angesicht des Todes wollen wir endlich Antworten auf Fragen, denen wir vorher oft ein Leben lang ausgewichen sind. Quer durch die unterschiedlichsten Kultu-ren und Religionen ähneln sich die meisten Antworten, sie sind so universal wie die Erfahrung des Todes.

Die heutigen Forschungen, begonnen mit den Arbeiten der schweizer Ärztin Elisabeth Kübler-Ross () Ende der 1960er-Jahre, haben unsere Erkenntnisse zum Sterben und Todund damit zum Lebenzusätzlich erweitert.

Trotz aller heutiger und überlieferter Er-kenntnisse etwa aus dem Ägyptischen und aus dem Tibetischen Totenbuch, birgt der Tod ein letztes Geheimnis, das von unserem Verstand nicht erfasst werden kann. Die griechische Mythologie drückt diese Grenze durch eine mehrfache Sicherung des Zu-gangs zur Unterwelt aus.

Das größte Mysterium unseres Lebens ist der Tod. Nicht immer in der Geschichte der Menschheit wurde er so verdrängt und be-kämpft wie heute. Auch deshalb sind wir unsicher und hilflos geworden im Umgang mit dem Sterben und mit dem Tod.

Selbst Menschen, die in einer Religion, in der Spiritualität, etwas Größerem, eine Stütze haben, verlieren beim Tod immer wieder den Halt, den Boden unter den Füßen.

Durch die Tabuisierung des Todes lassen wir dieser letzten Lebensphase zumeist nicht den Umgang zukommen, der ihr tatsächlich gebührt. Das Gefühl der Geborgenheit ist unsere wahrscheinlich größte Sehnsucht in seiner Gegenwart. Weil das Ende des Lebens vergleichbar seinem Beginn eine Art Geburt ist. Entsprechende Wichtigkeit messen alle Urreligionen und Urkulturen der Phase des Übergangs vom Leben zum Tod bei.

 

Die Hingabe an das Sterben und an den Tod ist alles andere als lebensverneinend. Tat-sächlich ist erst sie die vollständige Hingabe an das Leben. »Solange du das nicht hast, dieses Stirb und Werde, bist du nur ein trüber Gast auf dieser Erde«, wußte nicht erst Goethe. Der Tod ist ein Abschiednehmen, ist ein Übergang, der den Schleier in eine