noch ungewohnte Blicke
auf die Trauer
noch ungewohnte Blicke
auf die Trauer

WEITERBILDUNGEN FÜR TRAUERBEGLEITER

Trauer wirklich verstehen
Trauer wirklich verstehen

Wissen ist zwar nützlich, aber Wissen allein hilft niemandem.

Wenn Sie nicht alles ein-setzen, Ihren Kopf und

Ihr Herz und Ihre Seele, werden Sie keinem ein- zigen Menschen je wirk- lich helfen können.

Elisabeth Kübler-Ross

In kaum einer Situation zeigt sich die Verwundbarkeit und Machtlosigkeit unseres Mensch-seins deutlicher als in Gegenwart des Todes. Hat sich im Tabubereich Tod in den letzten Jahrzehnten besonders durch die Hospizbewegung allmählich eine fürsorgende Kultur für Sterbende entwickelt, bleiben Hinterbliebene und Trauernde immer noch vorwiegend un-gesehen und in ihrer Trauer alleine gelassen. Den zwischenzeitlich entstandenen Trauer-begleitungen und Trauergruppen ist zu wünschen, dass ihnen eine ähnliche Entwicklung möglich ist wie ihrer Vorgängerin Sterbebegleitung. Heute steht Trauer ganz offensichtlich noch im Kernschatten der Sterbebegleitung und der Erforschung des Todes. Diese Situation hat eine Jahrtausende lange Tradition: das sogenannte Tibetische wie auch das Ägyptische Totenbuch befassen sich ausführlich mit Sterben und Tod. Und auch die Religionen haben eine Vielzahl an Ritualen für den Umgang mit Sterben und Tod etabliert. Ihren Endpunkt finden sie mit der Bestattung, nach einer teils immer noch praktizierten vorherigen Toten-wache. Doch wer wacht über die Trauernden?

 

Trauer ist Sterben, ein Sterben in ein neues Leben. Wird diese prägnante Definition der Trauer schon bald anerkanntes Allgemeingut? Bisher definiert das Humboldt-Psychologie-Lexikon Trauer als »Die von oft heftigen psychischen wie psychosomatischen Symptomen begleitete Reaktion auf den Verlust einer geliebten Person« und erweitert damit zaghaft die klassische Definition von Sigmund Freud, der Trauer »als regelmässige Reaktion auf den Verlust einer geliebten Person« bezeichnet hatte. Verena Kast und mit ihr viele andere, nennen Trauer eine Emotion. (Kast: »Nur die Emotion der Trauer bewirkt Wandlung, lässt wirklich Abschied nehmen und macht den Menschen dadurch bereit für neue Beziehunge.) Cana-cakis beschreibt Trauer nicht als ein 'reines' Gefühl, sondern als 'ein Gemisch aus Gefühlen'. Worden spricht von 'einem breiten Spektrum von Gefühlen' und Znoj ergänzt, 'dass Trauern nicht unbedingt dem Gefühl der Traurigkeit entsprechen muss, da Trauernde nicht immer in der Lage sind, sich traurig zu fühlen'.

Trauer ist ein vielschichtiges Wort, das in seiner Komplexität deutlich über einen emotionalen Zustand hinaus einen biopsychosozialen Bewältigungsprozess darstellt, der auch durch kulturelle und soziale Normen beeinflusst wird. Canacakis beschreibt denn auch 1994 Trauer

               als Prozess, als 'Verwandlungskünstlerin'. Specht-Tomann & Tropper resümieren

               2007, die Fähigkeit zu trauern, gibt uns die Möglichkeit, unangenehme Verän-

               derungen und Krisen zu verkraften, zu bewältigen und uns in der neuen Situa-

               tion letztendlich positiv zu entwickeln«. Erik Erikson hatte schon1965 darauf hin-

               gewiesen, dass der Mensch von Geburt an mit unterschiedlichen Trennungs-

               situationen konfrontiert ist. Der Schritt in eine nächste Phase sei erst möglich,

               wenn man sich aus dem Schutz und der Sicherheit des bisherigen Zustandes

               herauslöst. Dieser innere Kampf zwischen neuen Herausforderungen und lieb-gewordenen Gewohnheiten könne nur gewonnen werden, wenn der Verlust verarbeitet wird, so Erikson. Damit hatte er einen wesentlichen Grundstein für ein Verständnis der Trauer und des Trauerprozesses beschrieben, der rätselhaft ungehört blieb. Noch rätselhafter muss an- muten, dass Viktor E. Frankl in diesem Themenkomplex so gut wie keine Beachtung erhalten hat. Wie kein anderer, und mit einer Berechtigung wie kein anderer, hat er sich mit dem Sinn des Leidens beschäftigt und heilsame Ergebnisse gefunden, die in unserem Menschsein eine zeitlose Gültigkeit besitzen.

So wichtig dieser erweiterte Blick auf die Trauer und den Trauernden auch ist, immer noch wird damit ein nur nebulöses Gebilde entworfen, das kaum konkrete Ankerpunkte weder für Trauernde noch für Trauerbegleiter bietet. Der amerikanische Trauerforscher Bonanno be- mängelt deshalb, dass eine eindeutige, empirisch belegte Definition der Trauer mit ihren Verläufen und Erscheinungsformen noch aussteht. Auch um das Bedürfnis der Trauernden und Trauerbegleitern nach einem tieferen Verständnis und konkreteren Wegweisern zu stillen.

Lamp & Smith haben dann 2004 eine offene und umfassende Arbeitsdefinition formuliert: »Hinterbliebenentrauer wird heute als aktives Geschehen interpretiert und Trauernde werden als auto-poietisch Lernende begriffen, die die Verantwortung für ihr Weiterleben und ihr Handeln nach dem Verlust übernehmen...« Zur gleichen Zeit definierte Lammer Trauer als einen normalen, gesunden und psychohygienisch notwendigen Prozess der Verarbeitung von einschneidenden Verlusten und Veränderungen.

 

Ist noch eine kürzere, prägnantere Definition der Trauer möglich, mit einer klaren, nachvoll-ziehbaren Transparenz des Trauerprozesses? Diese Definition will ich hier vorstellen: 

Trauer ist Sterben, ein Sterben in ein neues Leben.

Trauer ist eine intensive Übergangssituation aus einer Lebensphase in eine neue. Der Tote ist einen physischen Tod gestorben. Der Trauernde stirbt einen psychischen Tod. Die Trauer über den Verlust eines Menschen führt den Trauernden auch an die Trauer über das, was er in sich selbst verloren hat. So geht er selbst durch einen Sterbeprozess und erlebt ihn als Geburtsvorgang in ein neues Leben.

 

So deutlich diese Definition an der Arbeit von Erikson anknüpft, so deutlich ist sie auch mit der Aussage von Viktor E. Frankl verwoben, dass Leiden einen Sinn hat, wenn man selbst ein anderer wird. Die beiden anderen primären Impulsgeber sind Virginia Satir und insbe-sonders Stanislav Grof, der mit seiner jahrzehntelangen transpersonalen Arbeit und For-schung primär mit terminal erkrankten Krebspatienten, den Ursprung unserer Prägungen und daraus resultierendem Umgang mit Lebenskrisen klar aufgezeigt hat.

Diese erweiterte Kartografie ermöglicht ein tiefgreifendes Verständnis der Trauer und des Trauerprozesses. Dabei docken die geläufigen Modelle der Trauerphasen und Aufgben der Trauerarbeit deutlich erkennbar an Ihnen an. So wird mit diesen Ansatz eine Synthese mit einer bisher vermissten Transparenz, Deutlichkeit und Griffigkeit geschaffen. Das Bedürfnis von Trauernden nach einer Orientierung, nach Informationen, die beitragen, die eigenen Erfahrungen verstehen und einordnen zu können, wird damit erschöpfend erfüllt. Auch ent-lastet sie die Erkenntnis, dass das Spektrum an möglichen Erfahrungen und eigenen Reak-tionen sehr breit ist und auch extreme und ihnen sonst ungewohnte Emotionen, Körperemp-findungen, Gedanken und Verhaltensweisen einschließt. So kann die Trauer angenommen werden und entfaltet ihre heilsame Kraft, den Verlust akzeptieren zu können und innerhalb der neuen Rahmenbedingungen eine sinnvolle und befriedigende Perspektive für die Zukunft finden zu können. Der Trauernde erlebt die Metamorphose im Außen und im Innen. Aus der finsteren Nacht der Seele geht ein neues Leben hervor.

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Zuhören ist weniger eine Frage von Me-thode und Technik. Wahre Kommunika-tion bewegt und verbindet Menschen. Dieser Kurs ist eine Entdeckungsreise zum wirklichen Zuhören und dadurch zum wirklichen Kontakt mit Ihrem Ge- genüber.

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